| Pattonville. 5.40 Uhr morgens in einem kleinen Reihenhaus in Pattonville. Gerade hat er noch in der Küche Kaffee gekocht, nun sitzt Peter Welchering rund 150.000 Menschen gegenüber. Denn aus seinen Kellerräumen sendet der Radiomacher Wissenschaftsbeiträge für den Deutschlandfunk.
Dabei sieht es in dem schallgedämpften Studio des Journalisten genauso aus wie in anderen Arbeitszimmern: ein Schreibtisch mit Telefon, Laptop und Computer sowie einige Bücherregale. Nur ein kleines Mischpult und ein Mikrofon verraten, welche Arbeit hier seit acht Jahren verrichtet wird. Digitale Technik macht es möglich.
Weitaus ungewöhnlicher sind die Themen, über die Welchering berichtet. Vor kurzem hat er seine vier Alu-Koffer mit technischer Ausrüstung in seinen Van gepackt, um unter dem Schlagwort "Klima-Simulation" aus dem Hochwassergebiet in Niedersachsen zu senden, per Satellit. Wie muss ein Deich konstruiert werden, damit das Wasser nicht auf der anderen Seite wieder hervorsprudelt? Wo macht es Sinn, Deiche zu sprengen, um Ausweichflächen zu schaffen? Mit großem Interesse tauschten sich Geowissenschaftler und Einsatzkräfte bei den Recherchen aus, wie sie die Ergebnisse der Klima-Simulation umsetzen können.
Arbeit hat der 42-Jährige mehr als genug. Bei Video-Animationen, die die Lippenbewegungen der Darsteller an neue Texte anpassen, bei Wahrscheinlichkeitsrechnungen, die einem Kühlschrank der Zukunft sagen, wann welches Familienmitglied statistisch gesehen was trinken möchte oder bei einem künstlichen Muskel des Fraunhofer-Instituts gerät Welchering ins Schwärmen: "Wissenschaft kann so interessant sein." Sicher denkt er dabei auch an den 11. September 2001 zurück, als er nach dem Einsturz des World Trade Centers in New York einen Mann ans Telefon bekam, der am liebsten mit den Bauwerken im Boden versunken wäre: den Statiker der Zwillingstürme. "Kontakte", erklärt der Radiomacher, "sehr gute und langjährige Kontakte". Dabei hatte Welchering nur eine Stunde Zeit, um seinen Bericht über das Verhalten von Stahlträgern bei großer Hitze fertig zu machen. Doch genau das reizt ihn bei seiner Arbeit. Kein Medium ist schneller. Zwar gebe er sich Mühe, seinen Tag zu planen, doch manchmal überhole einen eben die Realität. "Da kann ich viel schneller agieren", begründet Welchering seinen Ausstieg als Chefredakteur einer Stuttgarter Computer-Fachzeitschrift. Auch beim Messefernsehen gefiel es ihm nicht annähernd so gut wie in seinem kleinen Keller-Studio. Hier ist er sein eigener Tontechniker, Regisseur und Moderator. Zwar sei der kurze Weg vom Frühstückstisch zum Arbeitsplatz sehr angenehm, doch lassen sich Privat- und Berufsleben nicht immer einfach voneinander trennen. Außerdem stapeln sich im Untergeschoss hunderte Senderbänder, die seit den Anfängen beim Westdeutschen und Norddeutschen Rundfunk Anfang der 80er Jahre zusammengekommen sind. Im Frühjahr zieht der zweifache Vater deshalb mit seinem Studio nach Kornwestheim ins TechMoteum. Dort bekommt er auch eine Sprecherkabine. In der sitzt er dann morgens um 5.40 und geht für die Wissenschaft auf Sendung.
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