Die große weite Welt in einer kleinen Kabine
Kornwestheimer Zeitung vom 10. April 2004
Peter Welchering ist Wissenschaftsjournalist und sendet aus dem Kornwestheimer TechMoteum
KORNWESTHEIM. Jubiläum heute im TechMoteum: Peter Welchering könnte zur Feier des Tages eine Flasche Sekt köpfen. Allerdings: Hören darf man's nicht.

Der 44-jährige Wissenschaftsjournalist sendet zum 100. Mal aus seinem kleinen, aber durchaus feinen Studio im TechMoteum an der Leibnizstraße live für den Deutschlandfunk. Dazu schließt sich Welchering in eine kleine Kammer ein, noch nicht einmal so groß wie eine Heimsauna, stellt die Verbindung zum Sender in Köln her und berichtet über "Das Computerkabel in den Arbeitsämtern".

Drei Räume hat Welchering im Obergeschoss des neuen TechMoteums angemietet. Kabel baumeln an einem Ständer, diverse Computer füllen den Raum, hier ein Kopfhörer, dort eine Bandmaschine - dass hier Rundfunk gemacht wird, ist nicht zu übersehen. Die Schallkabine ist das Herzstück. "Sie hat den selben Klang wie ein eingemessenes Studio der ARD", erzählt er stolz. Will sagen: Der Hörer hat den Eindruck, Welchering sitzt, wenn er aus Kornwestheim berichtet, in einem großen Studio. Die Wirklichkeit: Er steht in seiner kleinen Schallkabine. Im Sommer, ergänzt der Journalist, sei's zudem die kühlste Ecke in seinem Medienbüro - dank einer speziellen Klimaanlage, die - wie Sektflaschen - natürlich kein Geräusch machen darf.

Peter Welchering ist Einzelkämpfer. Er kümmert sich nicht nur um die Inhalte seiner Beiträge, die sich im Schwerpunkt um Wissenschaftsthemen drehen, nicht minder viel Arbeit macht die Technik. Der 44-jährige hat sich im Laufe der vergangenen drei Jahre - 2001 machte er sich selbstständig - eine umfangreiche Ausrüstung angeschafft. Ohne geht's nicht, ist er sich sicher. Wer als freier Hörfunkjournalist überleben wolle, müsse die Technik vorhalten und beherrschen. So verfügt Welchering auch über ein Satellitenmodem samt zusammenklappbarer Schlüssel, nicht größer als ein Laptop. Über 30 Satelliten kann er damit empfangen. Vor der Tür steht ein Ü-Wagen, den der Pattonviller für Außenübertragungen - zum Beispiel in dieser Woche anlässlich der Aktionärsversammlung in Berlin von der Daimler-Hauptverwaltung einsetzt.

Vor gut einem Jahr ist Welchering mit seinem Studio in das TechMoteum eingezogen. Zuvor sendete er aus seinem gerade einmal 18 Quadratmeter großen Kellerstudio in Pattonville. 100 Live-Schaltungen, 1200 Sendeminuten - das ist die Bilanz in Zahlen. Gäste im Hörfunkstudio an der Leibnizstraße waren unter anderem Kornwestheims Oberbürgermeister Dr. Ulrich Rommelfanger, der als Gründungsrektor der sächsischen Polizeihochschule über die digitale Waffentechnologie sprach, Professor Stefan Hencke von der Fachhochschule Pforzheim und Shri Aurun Shauri, indischer Bundesminister für Informations- und Kommunikationstechnologie. Von Kornwestheim aus schaltete Welchering zu Gesprächen mit UN-Generalsekretär Kofi Annan und Microsoft-Gründer Bill Gates.

Welchering arbeitet nicht nur für den Deutschlandfunk, sondern auch für Wissenschaftssendungen des Westdeutschen Rundfunks, des Südwestrundfunks und des Bayrischen Rundfunks. Und auch für den amerikanischen Sender ABC ist er schon einmal im Einsatz.

Welchering ist in Bochum aufgewachsen und hat dort Philosophie studiert. Philosophie? "Die Logik", beugt er weiteren Fragen vor, habe ihn während des Studiums besonders interessiert. Und deshalb sei der Weg zur Computertechnologie, mit der er sich jetzt viel beschäftigt, eigentlich gar nicht so weit. Nach Stationen beim WDR und beim NDR kam der Journalist zur Computer Zeitung nach Stuttgart. Seit 2001 ist er als freier Hörfunkjournalist selbstständig. Ein gewagter Schritt. Am Anfang habe die Skepsis überwogen. Kommen genug Aufträge rein? Finden seine Beiträge Abnehmer? Welchering hat's nicht bereut. Nicht nur finanziell habe es sich gelohnt, die Arbeitszufriedenheit sei viel größer - auch wenn er regelmäßig auf eine Sieben-Tage-Woche komme. Eine Halbtags-Sekretärin kümmert sich mittlerweile um den "Schreibkram".

Den Standort Kornwestheim findet der Hörfunkjournalist nahezu ideal. Die Universitäten in der Umgebung, Ableger des Max-Plancks und des Fraunhofer Institutes, eine lebendige Wissenschaftsszene würden reichlich Themen bieten. Diese mitunter trockene Materie zu Bildern für den Kopf umzusetzen, sieht Welchering als besondere Herausforderung.

Heute Nachmittag geht's im 100. Live-Beitrag aus Kornwestheim um "Das Computerdebakel in den Arbeitsämtern: Welche Probleme die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe den Computerspezialisten der Bundesagentur für Arbeit beschert". Die Sendung heißt "Computer und Kommunikation", kommt immerhin auf rund 470 000 Hörerinnen und Hörer bundesweit und läuft im Deutschlandfunk (106,3 MHZ) von 16.30 bis 17 Uhr. Wenn's ein leichtes "Plopp" zu hören gibt, dann hat er doch die Flasche Sekt geköpft...